Sinfonien um 1761–1765

 

Joseph Haydn Werke, Reihe I, Band 2
Hrsg. v. Ullrich Scheideler
München: Henle, 2012
XIV, 225 S., davon 178 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht

 

Der Band enthält zehn Sinfonien Joseph Haydns, die vermutlich zwischen 1761 und 1765 entstanden. Sie sind nicht autograph überliefert und deswegen nicht genau zu datieren. (Die im Autograph erhaltenen Sinfonien aus demselben Zeitraum sind in den Bänden I/3 und I/4 der Gesamtausgabe veröffentlicht.) Auf der Basis von quellen- und stilkritischen Überlegungen kann man jedoch die Entstehungszeit der einzelnen Werke weiter eingrenzen. Daraus ergibt sich als Reihenfolge im Band (in Klammern ist die vermutete Entstehungszeit angegeben): Hob. I:15 (Juni bis Dezember 1761), Hob. I:3 (Juni bis Dezember 1761), Hob. I:36 (2. Hälfte 1761 bis Frühjahr 1762), Hob. I:33 (2. Hälfte 1761 bis Frühjahr 1762), Hob. I:108 (1762), Hob. I:14 (1762), Hob. I:16 (Frühjahr 1763), Hob. I:34 (Mitte 1763), Hob. I:72 (August bis Dezember 1763), Hob. I:39 (Mai bis September 1765).

Hauptüberlieferungsträger sind Kopistenabschriften (Aufführungsmaterial in Stimmen); Frühdrucke spielen nur eine geringe Rolle. Für fünf Sinfonien (Hob. I:15, 3, 33, 14, 16) liegen authentische Abschriften vor, die in Haydns Umfeld und nicht lange nach dem Abschluss der Komposition entstanden oder deren Schreiber mit Haydn in persönlichem Kontakt stand wie etwa Joseph Elßler sen., Notenkopist am Esterházyschen Hof, oder der Wiener Berufskopist Friedrich Pischelberger. Diese Abschriften wurden jeweils als Hauptquelle der Edition herangezogen. Hinzu kommen mehrere Nebenquellen aus von der Hauptquelle unabhängigen Überlieferungszweigen. Bei den anderen Sinfonien (Hob. I:36, 108, 34, 72, 39) beruht die Edition in Ermangelung von authentischen Abschriften hingegen nicht auf einer einzigen Abschrift, sondern auf den jeweils besten Vertretern der einzelnen Überlieferungszweige als gleichberechtigten Quellen.

Für die meisten Sinfonien ist der Notentext auf diese Weise gut zu sichern. Unsicherheit allerdings besteht hinsichtlich der Authentizität der Hornstimmen von Sinfonie Hob. I:16. Die Quellenfiliation zeigt, dass sie nicht von Anfang an Teil der Überlieferung waren. Dennoch ist nicht ganz auszuschließen, dass sie von Haydn selbst nachkomponiert wurden; sie sind daher im Kleinstich in die Partitur aufgenommen.