Arien, Szenen und Ensembles mit Orchester, 2. Folge

 

Joseph Haydn Werke, Reihe XXVI, Band 2
Hrsg. v. Julia Gehring, Christine Siegert und Robert v. Zahn
München: Henle, 2013
XXVII, 271 S., davon 207 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht.

 

Der Band enthält im Hauptteil neun vollständig überlieferte Kompositionen in der vermutlichen Reihenfolge ihrer Entstehung. Vier davon sind nachweislich, drei weitere mutmaßlich Einlagekompositionen, die Joseph Haydn im Rahmen seiner Tätigkeit als Opernkapellmeister am fürstlichen Hof in Eszterháza schrieb: Die Arie „Via siate bonino“ (Hob. XXIVb:23*) war für Pasquale Anfossis Oper Le gelosie fortunate bestimmt; drei Einlagen (Hob. XXXII:1) schrieb Haydn für Anfossis La maga Circe: die Scena „Son due ore che giro“, die Arie „Son pietosa, son bonina“ und das Terzett „Lavatevi presto“.

Drei weitere Werke aus dem Hauptteil des Bandes könnten ebenfalls als Einlagen entstanden sein. „Miseri noi! Misera patria!“ (Hob. XXIVa:7) ist als eigenständige Cantata überliefert. (In dieser Form kam beispielsweise auch die Scena „Ah come il core mi palpita nel seno“ aus Haydns Oper La fedeltà premiata in Umlauf.) Die Arie „Tornate pur mia bella“ (Hob. XXIVb:22*) ist außer in der originalen italienischen Fassung auch in einer Bearbeitung mit deutschem Text in dem von Goethe in Weimar auf die Bühne gebrachten Pasticcio Die theatralischen Abentheuer überliefert. Dieser Überlieferungszweig spielt für die Edition keine Rolle, wird aber im Kritischen Bericht ausführlich dargestellt, nicht zuletzt, weil sich eine der überlieferten Quellen als die verschollen geglaubte Originalpartitur erwiesen hat. Beim Terzett „Pietà di me“ (Hob. XXVb:5*) ist nicht nur unsicher, ob es sich um eine Einlage gehandelt haben könnte. Auch Haydns Autorschaft bleibt fraglich – obwohl es zwei voneinander unabhängige Überlieferungszweige gibt. Einer der Überlieferungszweige geht von der Abschrift eines öfter für Haydn arbeitenden Wiener Berufskopisten aus, der andere von dem Pasticcio Alessandro il grande, das von dem ehemaligen Esterházy’schen Hofkopisten Johann Schellinger als vorgebliche Oper Haydns in Umlauf gebracht wurde. Dieses Pasticcio wird im Kritischen Bericht ausführlich behandelt, wobei es gelingt, über die bislang bekannten Nummern hinaus weitere zu identifizieren.

Die beiden letzten Werke des Hauptteils, die Scena „Berenice, che fai?“ (Hob. XXIVa:10) und die Arie „Solo e pensoso“ (Hob. XXIVb:20) entstanden nicht als Einlagen, sondern als selbständige Werke 1795 in London und 1798 in Wien.

Der Anhang des Bandes enthält die Übertragung einer Skizze, die wohl zu einer (verschollenen oder nicht fertiggestellten) Arie gehört, sowie zwei fragmentarisch (ohne Singstimme) überlieferte Arien zweifelhafter Echtheit. Auch wenn die Singstimme jeweils nicht überliefert ist, lässt sich von der Arie Hob. XXIVb:A1 das Textincipit („Aure dolci ch’io respiro“), von der Arie Hob. XXIVb:16bis die Bestimmung für Florian Leopold Gassmanns L’amore artigiano ermitteln. Der Band umfasst außerdem zwei umfangreiche kommentierte Listen mit Arien, Szenen und Ensembles, die Haydn fälschlich zugeschrieben wurden.


Für die neuesten Bände siehe Neuerscheinungen.