Sinfonien 1787–1789

 

Joseph Haydn Werke. Reihe I, Band 14
Hrsg. v. Andreas Friesenhagen
München: Henle, 2010
XVII, 272 Seiten, davon 237 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht

 

Der Band enthält jene fünf Sinfonien, die Haydn zwischen den sechs „Pariser“ und den zwölf „Londoner Sinfonien“ komponierte. Die beiden ersten davon (Hob. I:88 und 89) überließ er dem früheren Esterházyschen Hofmusiker Johann Tost, der sie durch Abschriften und Verkauf an Verleger vermarktete. Mit den drei anderen (Hob. I:90–92) bediente Haydn zwei Auftraggeber auf einmal: die Loge Olympique, jene freimaurerische Konzertgesellschaft, die zuvor bereits die sechs „Pariser Sinfonien“ in Auftrag gegeben hatte, und den Fürsten von Oettingen-Wallerstein, der zunächst nicht ahnte, dass er die neuen Werke nicht für sich alleine erhielt.

Zu vier dieser Sinfonien sind die autographen Partituren erhalten. Sie bilden jeweils die Hauptquelle der Edition; als Nebenquellen, die spätere Ergänzungen Haydns dokumentieren könnten, werden auf Basis einer ausführlichen Quellenfiliation autornahe Abschriften herangezogen. Für Sinfonie 88, deren Autograph verschollen ist, bilden sie die Hauptquellen, und es werden Frühdrucke als Nebenquellen herangezogen.

Eine Besonderheit bei Sinfonie 90 und 92 stellt die Überlieferung der Trompeten- und Paukenstimmen dar. In den Autographen sind sie (ebenso wie in den Frühdrucken) nicht enthalten, finden sich jedoch in den autornahen Abschriften. 2007 tauchte im Antiquariatshandel eine Niederschrift dieser Stimmen zur Sinfonie 90 von Haydns Hand auf. Damit war erstmals erwiesen, dass die Stimmen authentisch sind. Offenbar hat Haydn sie nur deswegen separat notiert, weil das von ihm verwendete Notenpapier nicht genug Systeme für die ganze Besetzung hatte. Man kann davon ausgehen, dass sich dies bei Sinfonie 92 genauso verhält und somit auch dort Trompeten und Pauken authentisch sind.

Der Band wurde bei den Konzerten des Gürzenich-Orchesters Köln am 6., 7. und 8. November 2011 präsentiert.