Londoner Sinfonien. 1. Folge

 

Joseph Haydn Werke, Reihe I, Band 15
Hrsg. v. Robert von Zahn in Verbindung mit Gernot Gruber
München: Henle, 2005
XV, 176 Seiten, davon 141 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht

 

Der Band enthält die Sinfonien Hob. I, Nr. 96 D-Dur, 95 c-Moll und 93 D-Dur. Sie waren die ersten drei Werke, die Haydn eigens für Konzerte in London komponierte. Innerhalb des Bandes werden sie in der (erschlossenen) Reihenfolge ihrer Erstaufführungen angeordnet, die wohl auch der Entstehungsreihenfolge entspricht.

Von den Sinfonien Nr. 95 und 96 sind die autographen Partituren überliefert; Haydn überließ sie Johann Peter Salomon, der ihn nach London verpflichtet hatte. Das Autograph von Sinfonie Nr. 93 (das Haydn wohl mit zurück nach Wien nahm) ist hingegen verschollen. Hier ist die Edition auf authentische Abschriften angewiesen: eine Kopistenpartitur aus Haydns Besitz und zwei handschriftliche Stimmensätze, an denen Johann Elßler, Haydns Hauptkopist der späten Jahre, und der ebenfalls häufig für ihn tätige Peter Rampl beteiligt waren. Auch von den beiden anderen Sinfonien sind mehrere solche authentischen Stimmenabschriften überliefert. Sie dienen der Edition als Nebenquellen, da sie Nachträge Haydns im Stimmenmaterial der Uraufführung oder späterer Wiener Aufführungen tradieren könnten.

Gedruckt erschienen alle drei Sinfonien ab 1795, zunächst bei André in Offenbach, wenig später auch bei Artaria in Wien. Die Untersuchung der Fehler in den Ausgaben legt den Schluss nahe, dass die Drucke Andrés jeweils auf handschriftlichen Stimmensätzen beruhen, die den erhaltenen Wiener Abschriften sehr ähnlich waren. Die Ausgaben von Artaria sind lediglich Nachstiche der Erstausgaben Andrés. Eine Einflussnahme Haydns auf die Drucklegung ist bei keiner der Ausgaben anzunehmen.

Der Londoner Verleger Birchall verwendete um 1810 die Ausgabe von André (bzw. die Übernahme dieser Ausgabe durch Monzani & Cimador, London) als Vorlage für einen eigenen Stimmendruck. Er konnte dafür aber offenbar auch die Autographe (für Sinfonie 93 eine englische Kopistenpartitur) zum Vergleich heranziehen und so einige Fehler des Erstdrucks beseitigen. Birchalls Ausgabe stimmt mit einigen Nachträgen von späterer Hand in den Autographen bzw. der Kopistenpartitur überein; sie wurde daher von anderen Editoren in jüngerer Zeit sehr hoch bewertet (Landon, Newstone). Doch haben diese Nachträge offensichtlich nichts mit Haydn zu tun, sondern erfolgten wohl im Zuge der Vorbereitung gerade von Birchalls Ausgabe. Sie werden daher für den Notentext der Gesamtausgabe nicht berücksichtigt, aber vollständig im Kritischen Bericht referiert.

Im Anhang des Bandes ist eine Skizze zum langsamen Satz der Sinfonie 96 als Faksimile und in diplomatisch getreuer Übertragung wiedergegeben.


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