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Joseph Haydn Werke. Reihe XXVIII, Band 1
Il Ritorno di Tobia. Oratorio
Herausgegeben von Ernst Fritz Schmid
Kritischer Bericht verfasst von Friederike Mühle mit Vorarbeiten von Ernst Fritz Schmid

München: Henle 2018
172 Seiten

 

Il Ritorno di Tobia erschien 1963 in Joseph Haydn Werke, Reihe XXVIII, Band 1, herausgegeben von Ernst Fritz Schmid. Die Arbeit an der Edition von Il ritorno di Tobia hatte Schmid bereits im Auftrag der Haydn Society Boston–Wien aufgenommen und weitestgehend abgeschlossen. Nachdem diese Gesamtausgabe nach vier Bänden nicht fortgesetzt wurde, erklärte er sich 1958 bereit, seine Edition für die 1955 neubegründete Gesamtausgabe Joseph Haydn Werke zu überarbeiten und an deren Editionsrichtlinien anzupassen.

Für den Kritischen Bericht reichte Schmid beim Joseph Haydn-Institut ein umfangreiches Typoskript mit Quellenbeschreibungen und Lesartenverzeichnis ein. Es diente als Grundlage für den nun vorgelegten Kritischen Bericht, war aber an vielen Stellen zu ergänzen und zu erweitern. So wurde ein in unbekanntem Privatbesitz befindliches Particell von Schmid irrtümlich als Teilautograph eingestuft; es enthält eine ausgezierte Singstimme zur Aria „Quando mi dona un cenno“ und zwei Gesangskadenzen zur Aria „Quel felice nocchier“, die aufgrund von Schmids Fehleinschätzung in den Haupttext des Notenbandes aufgenommen wurden. Nach heutigem Forschungsstand können die ausgezierte Variante sowie die Kadenzen allerdings nicht mehr als authentisch gelten; sie sind jedoch interessante Beispiele für die zeitgenössische Verzierungspraxis.

Da zum Zeitpunkt der Edition noch kein Textdruck zur Aufführung von 1775 bekannt war, zog Schmid ersatzweise das Libretto der Wiener Aufführung von 1808 heran. Mittlerweile sind auch Exemplare des Librettos von 1775 bekannt (der Text stimmt im Wesentlichen mit dem des vom Herausgeber herangezogenen Drucks überein). Die in den Libretti enthaltenen Regieanweisungen nahm Schmid (als vermeintlich der Gattung Oratorium fremd) nicht in den Notenband auf, obwohl sie grundlegende Informationen zur Handlung enthalten. Die Regieanweisungen wurden schon in der 2009 im G. Henle Verlag erschienenen Studien-Edition mit dem Notentext des Gesamtausgabenbandes ergänzt und werden auch im Kritischen Bericht wiedergegeben.

Die Bearbeitung des Oratoriums durch Sigismund Neukomm, die 1808 in Wien zur Aufführung kam, berücksichtigte Schmid nicht, zog aber neben dem Libretto auch andere Quellen heran, die diese Fassung wiedergeben – so das vielschichtige Wiener Aufführungsmaterial – oder die zumindest mit ihr in Verbindung stehen.

Für den Kritischen Bericht wurden die wichtigsten Quellen noch einmal kollationiert. Auf dieser Basis wurde das Lesartenverzeichnis Schmids überarbeitet. Die Quellenbeschreibungen wurden berichtigt und umfassend ergänzt, die Quellenbewertung wurde nach Schmids Grundsätzen neu erstellt.