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Joseph Haydn Werke, Reihe XXII, Band 2
Verschiedene kirchenmusikalische Werke, 1. Folge

Herausgegeben von Marianne Helms

München: Henle 2017
XLIII, 236 Seiten (161 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht)

 

Der Band enthält all jene kirchenmusikalischen Werke Haydns, die nicht in den Bänden XXIII/1–5 (Messen) und XXII/1 („Stabat mater“) erschienen, zudem in originaler Gestalt überliefert sind und ohne Zweifel von Haydn stammen. Eine zweite Folge mit verschiedenen kirchenmusikalischen Werken (XXII/3), die bereits im Satz ist und 2018 erscheint, wird geistliche Kontrafakturen und Werke zweifelhafter Echtheit enthalten.

Der Notenteil besteht aus drei Abteilungen und einem Anhang. Die erste Abteilung enthält Werke mit lateinischem Text: das „Salve Regina“ in E Hob. XXIIIb:1, die für Fronleichnamsprozessionen geschriebenen „Quatuor Responsoria de venerabili sacramento“ („Lauda Sion“) Hob. XXIIIc:4, das „Alleluja“ Hob. XXIIIc:3, das „Offertorio in stile a cappella“ auf den Text „Non nobis, Domine“ Hob. XXIIIa:1, das „Salve Regina a quattro voci ma soli“ Hob. XXIIIb:2 und das „Te Deum“ Hob. XXIIIc:2.

Die zweite Abteilung bilden kirchenmusikalische Werke mit deutschem Text, die alle dem zu Haydns Zeit sehr beliebten Genre der Adventsarien angehören. Zwei dieser Pastorellen, die „Cantilena pro adventu“ in A („Ein’ Magd, ein’ Dienerin“) Hob. XXIIId:1 und die „Cantilena pro adventu a due“ in G („Mutter Gottes, mir erlaube“) Hob. XXIIId:2, lassen sich aus den Quellen relativ sicher rekonstruieren, bei der dritten, der „Cantilena pro adventu“ in D Hob. XXIIId:3, ist dagegen nicht einmal eine sichere Zuordnung des Textes möglich. Sie wird daher in dem Band in vier nicht-authentischen Versionen aus späterer Überlieferung veröffentlicht: mit mundartlichem Text „Herst Nachbä“ (1791) bzw. „Hörst Nachbä“ (1800), mit lateinischem Text „Jesu Redemptor omnium“ (1. Hälfte 19. Jh.), als Aria „Ihr Kinderlein kommet“ (nach 1811) und als Aria „Ihr Christen, ach kommet“ (2. Hälfte 19. Jh.). Die dritte Abteilung, Werke mit englischem Text, enthält die sechs kurzen Vertonungen, die Haydn zu der von William Tattersall veröffentlichten Sammlung aller 150 Psalmen beitrug.

Im Anhang des Notenteils wird eine spätere Fassung des „Non nobis Domine“ Hob. XXIIIa:1 wiedergegeben. Sie galt in der Forschung bisher als Frühfassung des Offertoriums und wird dementsprechend im Haydn-Werkverzeichnis von Anthony van Hoboken als „Fassung A“ geführt. Diese Einschätzung konnte jedoch jetzt wiederlegt werden. Offenbar handelt es sich um eine Fremdbearbeitung, so dass die im Hauptteil des Bandes abgedruckte „Fassung B“ als die einzig authentische angesehen werden muss.

Außergewöhnlich umfangreich ist in diesem Band das Vorwort mit einer grundlegenden Darlegung zu Haydn als Kirchenmusiker am Esterházy’schen Hof. Diese wird mit der Übertragung von bislang unbekannten Dokumenten im Kritischen Bericht unterstützt, insbesondere der Wiedergabe von umfangreichen Kirchenordnungen der Eisenstädter Hofkirche.