Joseph Haydn Werke, Reihe I, Band 10
Sinfonien um 1780/81

Herausgegeben von Heide Volckmar-Waschk
in Verbindung mit Stephen Fisher

München: Henle 2016
XIV, 161 Seiten (126 Notenseiten, dazu Vorwort und Kritischer Bericht)


Der Band enthält die drei vermutlich in den Jahren 1780 und 1781 entstandenen Sinfonien Hob. I:62, 73 und 74, dazu das aus derselben Zeit stammende Finale Hob. Ia:4, von dem nicht sicher ist, zu welcher Sinfonie es ursprünglich gehört haben könnte. Zu diesem Satz und drei Sätzen der Sinfonie Hob. I:73 liegen Autographe vor. Für Hob. I:62 hat sich das von Haydn selbst verwendete und korrigierte Aufführungsmaterial erhalten. Außerdem gibt es sowohl zu dieser als auch zur Sinfonie Hob. I:74 authentische Stimmenabschriften, die Haydn dem spanischen Königshof in Madrid schickte. Für  Hob. I:73 liegt mit der Ausgabe von Christoph Torricella (Juli 1782) der erste Wiener Druck einer Sinfonie Haydns vor; allerdings hat Haydn dafür nicht selbst die Vorlage geliefert – anders als für die Ausgabe der Sinfonie Hob. I:74 beim Londoner Verleger William Forster, mit dem er in den Folgejahren kontinuierlich zusammenarbeitete. Die Ausgabe des Einzelsatzes Hob. Ia:4 von Franz Anton Hoffmeister scheint dagegen direkt auf das Autograph zurückzugehen.

Die Sinfonien entstanden zu einer Zeit, als Haydn durch den Opernbetrieb auf Eszterháza (auch zeitlich) sehr in Anspruch genommen wurde. Dies schlug sich auch darin nieder, dass er in Sinfonien Sätze aus Opernouvertüren wiederverwendete. Dem 1. Satz von Hob. I: 62 liegt die Ouvertüre Hob. Ia:7 zugrunde (bei der unklar ist, zu welcher Oper sie gehörte), dem Finale der Sinfonie Hob. I:73 die Ouvertüre zur Oper „La fedeltà premiata“ (1781). Auch für den 2. Satz der Sinfonie griff Haydn (wohl aus Zeitnot) auf eine ältere Komposition zurück, das Klavierlied „Gegenliebe“ (Hob. XXVIa:16). Die Jagdthematik des Finales hat der Sinfonie schon im Erstdruck den Beinamen „La Chasse“ verschafft. Problematisch ist hier die Besetzung: In der Opernouvertüre hat Haydn „2 Trombe o 2 Corni“ angegeben und zudem eine Paukenstimme notiert. Da Trompeten und Pauken im ersten bis dritten Satz der Sinfonie nicht vorkommen, könnte man vermuten, dass sie im vierten Satz wegbleiben sollen. In der vom Autograph abhängigen Überlieferung gibt es jedoch auch Stimmensätze mit diesen Zusatzstimmen. Sie wurden in die Edition aufgenommen; eine Fußnote in der Partitur weist aber auf die Unsicherheit der Überlieferung hin.