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Prof. Dr. László Somfai 

Am. 11. Februar 2026 verstarb in Budapest Prof. Dr. László Somfai, seit 1976 Mitglied des Joseph Haydn-Instituts. Er war ein führender Haydn-Forscher der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Geboren wurde er am 15. August 1934 in Jászladány, Ungarn. Er studierte Musikwissenschaft an der Ferenc-Liszt-Musikakademie, Budapest, unter Dénes Bartha und Bence Szabolcsi und verfasste damals eine wichtige Arbeit über die Streichquartette Haydns, A klasszikus kvartetthangzás megszületése Haydn vonósnégyeseiben (Zenetudományi Tanulmányok, Bd. 8, 1960). Somfai war 1980–2004 Professor an der Liszt-Akademie (Doktorgrad 1982 verliehen), Gründungspräsident der Ungarischen Musikwissenschaftlichen Gesellschaft, 1994–1998 Präsident der Internationalen Musikwissenschaftlichen Gesellschaft. Er war Mitglied des Zentralinstituts der Mozartforschung Salzburg, der American Academy of Arts and Sciences und der British Academy sowie Ehrenmitglied der American Musicological Society.

Kurz nach seinem Studium erschien der grundlegende Band von Somfai und Bartha, Haydn als Opernkapellmeister. Die Haydn-Dokumente der Esterházy-Opernsammlung (Budapest, 1960). Es folgte Joseph Haydn. Sein Leben in zeitgenössischen Bildern (Budapest and Kassel, 1966) sowie Joseph Haydn zongoraszonátái. Hangszerválasztás és eloadói gyakorlat, mufaji tipológia és stílselemzés (Budapest 1979; englische Übersetzung: The Keyboard Sonatas of Joseph Haydn: Instruments and Performance Practice, Genres and Styles, Chicago 1995). Dazu kamen mehrere Spezialstudien über Streichquartette, Skizzen, Notations- und Aufführungspraxis, Analyse u.v.m.

Trotz alledem war seine Leistung als Bartók-Forscher womöglich noch bedeutender: 1972–2005 war er Leiter des Bartók-Archivs der Ungarischen Akademie der Wissenschaften; er veröffentlichte Béla Bartók. Composition, Concept and Autograph Sources, Berkeley 1996, und war Gründungsherausgeber der angehenden Bartók-Gesamtausgabe (G. Henle Verlag) sowie Verfasser des in Vorbereitung befindlichen thematischen Verzeichnisses der Werke Bartóks (ebenfalls beim G. Henle Verlag).

Am Schicksal des Joseph Haydn-Instituts nahm Prof. Somfai über Jahrzehnte regen Anteil. 2001 hielt er im Rahmen der Jahresversammlung des Trägervereins den Vortrag „Joseph Haydn und das Clavier. Text, Instrument, Aufführungsstil: Probleme und Pseudoprobleme“. 2005 nahm er am Kongress Perspektiven und Aufgaben der Haydn-Forschung zum fünfzigjährigen Bestehen des Instituts teil und referierte über „Trends, Accomplishment, Deficiency in Haydn Performance Today” (veröffentlicht in den Haydn-Studien IX/1–4). Im Jahr 2009, am Rande des großen Haydn-Kongresses in Budapest, übergab er Armin Raab, dem damaligen Wissenschaftlichen Leiter des Instituts, wertvolle Photokopien aus dem Nachlass von Denés Bartha (die dieser bei der Vorbereitung seiner Ausgabe der Briefe Haydns 1965 verwendet hatte), darunter auch Ablichtungen von nicht mehr zugänglichen Briefen Haydns, und schuf damit eine wichtige Voraussetzung für die vom Joseph Haydn-Institut derzeit vorbereitete neue Haydn-Briefausgabe.

Die Mitglieder des Trägervereins Joseph Haydn-Institut e.V. und die ehemaligen Mitarbeiter des Instituts werden ihm stets ein ehrendes Angedenken bewahren.

Prof. Dr. James Webster, Ithaca